Erster Kontakt

Heute ist es soweit. Es ist Sonntag, 4 Uhr Früh und mein Wecker wird in ca. 1 Stunde läuten. Muss er aber nicht, da ich eben schon munter bin und auch nicht mehr einschlafen kann. Warum auch immer. Trifft sich aber gut, denn für heute sind ein paar Runden am Pannoniaring mit meiner neuen Kawasaki ZX-10R (Midori) geplant. Gekauft ist sie ja schon und steht seit einer Woche in der Garage, aber ich bin damit noch keinen Meter schneller als Schrittgeschwindigkeit gefahren. Niegelnagelneu, mit Strassenreifen, 0km am Tacho, Spiegel und Kennzeichenhalter demontiert, so wartet sie schon auf ihren ersten Einsatz.
Wenn ich schon munter bin, schau ich mir noch schnell einen Film an, und dann steht Schatzi auch schon bald im Wohnzimmer, wobei ich da schon meinen zweiten Kaffee intus habe. Wettervorhersage gecheckt, kalt aber trocken, noch einen Kaffee, duschen usw... und dann ab zur Garage.
Das Verladen funktioniert dank der neuen Vorderradwippe mega einfach, war eine gute Investition. Schnell noch bei der Raststation Geld abheben, den Scheini, der scheinbar auch am Weg zum Einrollen ist, begrüssen und dann gehts auch schon wieder weiter zur Avia-Tankstelle kurz vor der Grenze. 98+ kostet weniger als EUR 1,20, also einmal voll und zwei Kanister anfüllen. Dunkle Wolken wechseln sich mit wolkenlosen Flecken am Himmel ab, ich werd immer nervöser. Dann plötzlich sind wir auch schon das erste Mal nach (viel zu) langer Zeit im Fahrerlager des Pannoniaringes angekommen.
Ausladen auch recht rasch, da nur das Nötigste mitgenommen, Kati geht ins Raceoffice und holt Startnummer und Zeitplan. Heute teilen sich Autos und Motorräder abwechselnd die Strecke, jeweils eine halbe Stunde. Meine Befürchtungen bezüglich Dreck auf der Strecke treffen zum Glück nicht zu. Montageständer angepasst, die Kawa aufgebockt, Reifenwärmer drauf und mal in der Betriebsanleitung stöbern. Volle Leistung, Quickshifter aktiviert, Motorbremse auf low und Traction-Control auf megaschwul. Das sollte fürs Einfahren passen. Und dann gleich ab ins neue Leder. Uff, das sitzt ziemlich straff. Kein Problem, bis ich mir halt die neuen Stiefel anziehen möchte. Doch ein Problem. Ein paar Verrenkungen später setz ich mir den neuen Helm auf und schlüpf in die neuen Handschuhe. Mann, alles riecht noch so frisch nach Leder, ganz ungewohnt. Inzwischen läuft auch schon der Motor warm, die Strassengummis sind auch schon lauwarm und den Reifendruck stell ich mal auf 2,2 vorne und 1,8 hinten ein. Das sollte passen. Mein allererster Turn mit der Kawa beginnt. Kurz vor der Ausfahrt bieg ich nochmal ins Fahrerlager ab und brems ein paar Mal, damit ich ein Gefühl für die Bremse bekomme, die is ja auch noch nagelneu. Und dann raus.
Es ist kalt, die Reifen nur lauwarm, alles neu, ich bin echt nervös. Mein erstes Mal mit Schaltautomat. Komisch das, aber ich glaub, da gewöhnt man sich dran. Getriebe noch etwas hakelig und vor allem ist der Schalthebel nicht korrekt eingestellt, das nervt ein wenig. Brems und Kupplungshebel passen auch nicht wirklich, aber das sind alles Kleinigkeiten. Was mich jedoch auf Anhieb begeistert ist das Handling. Ich habe immer gedacht, meine 750er wäre handlich, aber das was da abgeht, das ist echt unglaublich. Die 1000er fährt sich im Vergleich wie ein Fahrrad. Wie ein Fahrrad extralight. Das winkelt so leiwand ab, dass ich ein paar mal fast nach innen abgebogen wäre, weil ich einfach zu langsam unterwegs war (darf ja noch nicht drehen). Nach ein paar Runden werden die Bremsen auch immer feiner und ich entspannter. Den Reifen vertraue ich nicht wirklich, schliesslich haben wir Asphalttemperatur von unter 10°C und ich hasse Bridgestones, besonders wenn ein R10 in der Typenbezeichnung vorkommt. Also fahre ich recht rund, beziehungsweise versuche es und gebe schön langsam etwas mehr Gas. Dort, wo ich mit der GSX-R im 1. oder 2. Gang unterwegs bin, kann ich ganz locker mit dem Vier rausbeschleunigen und ich fühl mich nicht eingebremst. Apropos eingebremst, die Tractioncontrol ist geil, das funktioniert wirklich. Wenn man ganz genau aufpasst, merkt man, wie sie arbeitet, vor allem aber, sieht man es am gelb blinkenden Lämpchen. ABS hamma auch, das gibt auch etwas mehr Vertrauen. Und schwupps, ist die halbe Stunde um.
Im Fahrerlager dann gleich mal die Hebeleien etwas angepasst, den Bruckner Robert begrüsst, der sich inzwischen neben uns eingeparkt hat und mit weiteren Kollegen ein wenig gelabert, die ebenfalls zum Motoreinfahren da sind. Unter anderem auch der Stefan Kerschbaumer, der seine R1 einfährt, dem ich so auch ein paar Runden hinterher fahren konnte. Scheini ist ebenfalls am Einfahren und ein paar Moto3 bzw. 125er sind auch da. *rängdängdäng* 15 Minuten Gasstöße und 10 Minuten fahren, oder so. Naja, wenns Spaß macht.
Und schon wieder simma dran. Das mit den Halbstundenturns ist geil. Genau richtig. Gut, ich fahr natürlich nicht auf Druck, aber es geht alles so locker von der Hand, keine Krämpfe im Unterarm, das Abwinkeln total easy... einfach nur lässig. Gegen Ende des Turns drehe ich dann schon etwas höher, beginne etwas mehr zu schalten aber fahre so, als würde ich eine Auslaufrunde fahren. Zügig aber eben ohne harte Manöver. Der vorher erneut angepasste Reifendruck dürfte in die richtige Richtung gegangen sein, es fühlt sich noch stabiler an, Wackler oder Geeiere, sowas kommt nicht vor. Das Fahrwerk hab ich noch nichtmal angegriffen, das ist wie aus dem Geschäft. Läuft. Schön langsam beginnt es mich zu nerven, dass ich nicht wirklich drehen darf, aber ich denke, das ist schon gut so, das schont Geldbörse und Gesundheit. Denn einmal hab ichs kurz vor Ende des Turns probiert, einfach mal bissl Gas auf... Scheissmichan, schnell war der Gasgriff wieder zurück gedreht. Das verspricht einiges.
So gings halt bis zu den ersten Regentropfen weiter, wo wir dann beschlossen haben, zusammen zu packen, auch wenn hinten schon wieder die Sonne zu sehen war. Aber wir wollens ja nicht übertreiben und herausfordern. So hab ich leider geile 200km abgespult, leider wurdens nicht mehr, aber eines kann ich schon sagen: ich freu mich auf die kommende Saison, die wird sicher geil! :-)
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Auf gehts, zeitweise kam bei der Anfahrt zum Pannoniaring schon die Sonne raus. Ein gutes Zeichen. Da steht sie. Quasi jungfräulich, voller Erwartung und heiss auf das erste, grosse Abenteuer. Schatzi genießt die ersten Sonnenstrahlen. Kalt wars leider trotzdem.

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Mein erstes Fahrzeug, bei dem ich tatsächlich die Bedienungsanleitung lesen MUSS. So viele Einstellmöglichkeiten... will ja nix kaputt machen. Neues Leder, neue Stiefel... alles noch etwas steif. Und die gerade mal 7°C Aussentemperatur machens nicht wirklich geschmeidiger. Die Rückenprobleme allerdings auch nicht. Beim Rausfahren immer schön schauen, ob nicht was kommt. Obwohl, bei diesem Termin war die Gefahr relativ gering.

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Das ist die Lufttemperatur. Asphalt hatten wir mit dem IR-Thermometer gemessen 6,9, wobei sich das dann bis Mittags noch geringfügig steigerte. Der erste Turn ist geschafft. Die 30 Minuten waren um wie im Flug. Normalerweise bin ich beim ersten Einrolltermin nach den ersten drei oder vier Runden fertig. Ein gutes Zeichen. Ausgangs der Hauskurve. Dort konnte man der Traction-Control super beim Arbeiten zusehen. *blinkblinkblink* und ganz leichtes Vibrieren im Sitz zu spüren. Das dürfte wirklich funktionieren.

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Ein Blick aufs Hightech-Equippement. Zwei Hofer-Klappsessel, ein Hofer-Wagerl, ein Hofer-Kompressor, zwei Plastikkanister, Standard-Reifenwärmer und fast 20 Jahre alte Montageständer. Und ganz wichtig: Der Makita-Radio. :-) Aus diesen wunderschönen Wolken hat es binnen kürzester Zeit begonnen zu tröpftröpftröpfeln... also einpacken und mit einem fetten Grinser im Gesicht wieder heimwärts.


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